Big Data, die Zeit und eine kommunistische Bibelweisheit

Zum Thema Big Data oder besser zum Zeit-Online-Kommentar „Dataismus und Optimismus“ tobt eine wilde Diskussion. Immerhin setzen die Leser der sehr einseitigen Sicht des Autors ihre sehr einseitige Sicht entgegen. Bei allem Für und Wider: Big Data ist keine Erfindung der Neuzeit und es gibt viele handfeste Gründe für Datensammlungen.

Das erste was mir zu der Diskussion einfällt, ist die Bibel. Mangels textlicher Sicherheit nur kurz der Punkt, der das Thema Big Data zu einem Ur-Thema der Menschheit macht: Kaiser Augustus befahl, alles Volk in Israel zu zählen. Wer aber glaubt, dass dort nur Köpfe gezählt wurden?

Hätte Kaiser Augustus damals schon Facebook-Insights gehabt, hätte er mit einem Klick Geschlecht, Alter, regionale Verteilung und Interessen für seine Fans abfragen können. Und über die Timeline von Joseph und Maria hätte er sogar die Geburt ihres Kindes erfahren. Und erst die drei Könige. Per Google Hang-out hätte man auch ohne lange Anreise bei der Geburt dabei sein können und mit einem iTunes-Geschenk-Code wäre das leidige Thema der Gaben auch per Klick erledigt.

So eine vernetzte Welt hat durchaus handfeste Vorteile, vorausgesetzt man ist bereit, einige Daten durch den Äther zu schicken. Allerdings wäre es ein starkes Stück, der Bevölkerung „bornierten Datenpessimismus“ vorzuwerfen, nur weil sie die Segnungen des vernetzten Abendlandes nicht wie das goldene Kalb feiert.

Der Kommentator indes wirft nicht nur diesen Stein, sondern stolpert über ihn auch zur „Datenabwehr zur Technikabwehr zur Faschismusabwehr“. Das erinnert mich an Simonows Roman „Die Lebenden und die Toten“. Das liegt aber sicher nur daran, dass ich mich gerade in die literarische Datensammlung zum großen Vaterländischen Krieg wühle.

In beiden Fällen sehe ich einen Menschen aus dem Datenstrom heraus wild die rote Fahne schwenken. Nicht das ich per se etwas gegen eine rote Fahne hätte. Muss sie aber unbedingt so vor den Augen wedeln, dass man sie am liebsten wie einen lästigen Fliegenschwarm mit einem dicken Telefonbuch erschlagen möchte. Übrigens wäre das eine sinnvolle Anwendung von Big Data – zumindest in meiner „geistigen Provinz“.

Hier geht es zum Zeit-Online-Kommentar „Dataismus und Optimismus„.

Bildnachweis:
Kevin Krejci – Big Data Can Generate Big Brainstorms – Flickr. Some rights reserved.
Dennis van Zuijlekom – Big Data – Flickr. Some rights reserved.

Teilen ist das neue Haben
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